Inhaltsübersicht
Hier werden aus den verschiedenen Kapiteln Originalaüszüge aus dem Buch eingefügt.
S. 11- 21 Einleitung
Um ursprüngliche Buddhaschaft zu erlangen, muss man erst mal wissen, was dies überhaupt bedeutet. Es ist die Sphäre des Alllichtes, die Buddha erstmalig in diesem Zeitalter durch Meditation unter dem Bodhibaum in Bodhgaya erlangte, ca. 600 v. Chr. Es ist das ursprüngliche, strahlende Licht, grenzenlos und unveränderlich, welches man erlangt hat und mit dem man eins geworden ist. Die spirituelle Ebene von Buddha's hell leuchtender Butterlichtlampe (Sanskrit Pradipaprabh), das Licht des ursprünglichen Buddha Samantabhadra, in dem alles jemals davor Existierende wieder in Buddhaschaft angekommen ist. Alle jemals existierenden Dinge sind dort im grenzenlos strahlenden Licht endgültig für immer befreit. Gleichzeitig ist es der Ursprung aller Welten und Lebewesen, das ursprüngliche Licht aus dem alles entstanden ist und das Licht, wohin alles Existierende wieder zurückkehren wird. Warum können wir nun die Sphäre des Alllichtes nicht mehr erreichen oder verweilen nicht mehr darin? Das liegt daran, weil das dort vorhandene Licht aus sich selbst heraus sich ausbreitet und durch sein Manifestationspotential weitere Erscheinungen auftreten. Dieses Licht hat das Potential, sich in andere Lichtsphären zu transferieren. Dieses sind Ebenen, in denen man auch schon „erleuchtet“ ist, auch dort befindet man sich schon in Lichtebenen, man hat nur noch nicht die Ebene der endgültigen Befreiung, also Buddhaschaft, erlangt. Die dann entstehende Aufteilung des Alllichtes wollen wir nun anhand von zwei original übersetzen Sätzen von Longchenpa betrachten. Wer erst mal erfahren will, wer Longchenpa war und wie die Dzogchenlehren aus dem Alllicht auf diese Erde gekommen sind, soll bitte auf Seite 119 weiter lesen.
Über die Art und Weise des Erscheinens des Basislichtes: Das Scheinen von Licht aus einem Kristall heraus ist gleich wie das Erscheinen von Licht aus der Sphäre der Basis heraus.
Das ist bereits die Sicht von außerhalb des Alllichtes, in der Sphäre des Alllichtes ist alles noch Licht in ursprünglicher Befreiung. Obwohl im Alllicht nichts anderes existiert als es selbst, manifestiert es sich als die Basis. Dort wird die Basis mit einem Kristall verglichen, durch welchen wir das Licht der ursprünglichen Buddhaschaft sehen können, aber es hat schon eine andere Frequenz erlangt. Durch die Basis, den Kristall, scheint das Alllicht hindurch, jenseits des Kristalls teilt es sich in Leerheit und ursprüngliches Gewahrsein auf. In der Basis ist Leerheit und spontan erscheinendes ursprüngliches Gewahrsein und dessen Licht noch im Gleichgewicht, und diese trennt sich dann auf. Diese zwei, Leerheit und ursprüngliches Gewahrsein, sind zwei völlig neu entstandene Sphären, welche zwar noch Eigenschaften des Alllichtes besitzen, aber beide eine völlig eigenen Charakter aufzeigen.
Die Manifestation des Lichtes von Leerheit (tibetisch stong pa) und ursprünglichem Gewahrsein (tibetisch rig pa) in Vereinigung als die ungehinderten Basis (tibetisch kun gzhi, Sanskrit Alaya) ist entsprechend Sonne (Leerheit) und Mond (Gewahrsein) im Himmel (Licht der Vereinigung von Leerheit und Gewahrsein ) als Modell.
Als Beispiel in unser physikalischen Welt von Longchenpa gewählt ist der Himmel das Licht von Leerheit und ursprünglichem Gewahrsein in Vereinigung, in dem sich dann die Leerheit entsprechend der Sonne und ursprüngliches Gewahrsein als Mond in der Basis manifestiert. Wenn man sich jetzt nicht mehr im Alllicht befindet, sondern in Leerheit oder im ursprünglichen Gewahrsein, findet man auch nicht mehr von selbst zurück, ohne die später beschrieben Methoden des Dzogchen anzuwenden oder eventuell durch andere Wege in anderen Traditionen. Es ist etwa so, wie wenn wir mit einer Amnesie in einem anderen Kontinent aufwachen würden, wir wüssten gar nicht mehr, was unsere ursprüngliche Heimat gewesen ist. Wir passen uns den neuen Gegebenheiten an, ohne zu wissen was wir vorher einmal waren und durch die Gewöhnung daran finden wir es irgendwann normal. Wenn uns dann jemand erklärt, was unsere wirkliche Herkunft ist, dann halten wir ihn gleich für verrückt.
Was ist nun Leerheit und ursprüngliches Gewahrsein?
Dies wird nun wieder anhand von Originaltexten von Longchenpa erklärt, in weiteren Abschnitten erscheinen diese Sätze nur noch ohne Hinweis in Kursivschrift.
Leerheit ist die Manifestation des offenen Raumes, der Status der konzeptionsfreien Himmelssphäre.
Die Manifestation der ursprünglichen Bewusstheit erscheint aufgeteilt, hat weiteres Manifestationspotential bzw. transformiert sich.
Dieser Raum, Leerheit, ist absolut unveränderlich, ebenfalls unendlich weit wie die Sphäre des Alllichtes und erfüllt mit goldenem strahlenden Licht und absoluter Glückseligkeit. Man ist vollkommen frei von davon, sich etwas zu wünschen oder etwas anderes vorstellen zu wollen. Trotzdem entsteht aus der Leerheit das ursprüngliche Gewahrsein, es ist dort bereits angelegt, und wenn man nun die absolute Inaktivität und immer währende Glückseligkeit verlässt, entspringt es spontan, in einem Moment, aus der Leerheit. Man hat ja schon vergessen, dass das ursprüngliche Gewahrsein zusammen mit dem Licht dessen auch direkt aus dem Alllicht heraus, wie vorher mit dem Kristall erklärt, entspringt. Anders als im Alllicht ist hier nicht mehr alles selbst Licht, durch das selbst erkennende Gewahrsein ist ein Aspekt vorhandenen, welcher das Licht erkennen kann. Es ist aufgeteilt in das Gewahrsein, welches die Möglichkeit hat, den Aspekt des Lichtes zu erkennen, und das Licht der ursprünglichen Bewusstheit. Im Alllicht ist dieser Aspekt selbst wieder Licht, so dass alles wieder das alleinige ursprüngliche Licht der Buddhaschaft geworden ist. Er ist darin wieder befreit. Mit entstehend im ursprünglichen Gewahrsein ist auch spontane Freude, anders als in der Leerheit, dort herrscht Glückseligkeit. Diese Freude entsteht natürlich auch, wenn die ursprüngliche Bewusstheit aus dem Alllicht heraus entsteht. Es ist gleichfalls ein unendlich weiter Raum, grenzenlos, mit weißem Licht erfüllt, welches aber nicht mehr so hell leuchtet wie das universelle Licht selbst. Wenn man in der ursprünglichen Bewusstheit verweilt, hat man zwei Möglichkeiten, weiterzumeditieren.
Zu der Zeit des spontanen/ eigen Erscheinens des ursprünglichen Gewahrseins in einem einzigen Moment Identifizierung mit der Aufteilung und dann in einem einzigen Moment eins werden mit vollkommener Erleuchtung.
Entweder erkennt man zu dieser Zeit das Erscheinen des Eigenlichtes des ursprünglichen Gewahrseins als das was es wirklich ist zusammen mit dem simultan entstehenden ursprünglichen Gewahrseins, nämlich als Ausstrahlung des Alllichtes und findet in dieses zurück, oder man identifiziert sich mit der Aufteilung.
Dadurch entsteht der Beginn der Initiation der Nichterleuchtung.
Durch die weitere Manifestationsenergie des ursprünglichen Gewahrseins teilt sich diess in die fünf ursprünglichen Bewusstheiten auf. Diese werden in den entsprechenden Originalfassungen näher erklärt.
Aus diesen entstehen die fünf Lichter den Regenbogenlichtfarben gleich.
Die fünf Lichter sind die Basis für die irrtümlichen Visionen der Manifestationsbereiche, dadurch erscheint das Mitgefühl, dies ist der Grund für die Verwirrung des Geistes.
Das Licht der fünf ursprünglichen Bewusstheiten entsteht. Daraus entstehen die fünf Kayas. In den fünf Kayas entstehen ungehindert die fünf männlichen und weiblichen Hauptbuddhas.
Wie bei der Entstehung eines Regenbogens teilt sich das weiße Licht auf, in die vier Regenbogenlichtfarben und das weiße Licht, welches transformiert auch erhalten bleibt. An diesem Punkt entsteht das ursprüngliche Mitgefühl, vor der Aufteilung des ursprünglichen Gewahrseins in die fünf Lichter ist dies noch nicht in Erscheinung getreten. Die Kayas sind das manifestierte Licht der fünf ursprünglichen Bewusstheiten, sie bilden ähnlich wie die Leerheit und die ursprüngliche Bewusstheit aus dem Alllicht heraus neue Körper, die so genannten Formkörper (Sanskrit Kayas), völlig abgetrennt von der ursprünglichen Bewusstheit. Dies sind die Manifestationsbereiche der Buddhas. Im menschlichen Körper entsteht dadurch aus den Nadis (Energiekanäle, Sanskrit Nadi) der ursprünglichen Bewusstheit die Nadis der fünf Kayas.
Von den männlichen und weiblichen Hauptgottheiten entstehen ungehindert die männlichen und weiblichen Bodhisattvas. Aus den männlichen und weiblichen Familien entstehen die Sinnestore.
Verschiedene Hauptbuddhas und Bodhisattwas, hier nicht näher erwähnt, bilden bzw. sind die Sinnestore von Augen, Ohren, Geruchssinn, Geschmack und Körperspürsinn, mit denen wir in die materielle Welt eintreten.
Aus den männlichen Bodhisattvas heraus erscheinen die Sinneskontrolle, Intelligenz, Denken und Fühlen, also der Verstand.
Hier entsteht unser Ichbewusstsein, mit dem wir unseren illusionären Körper und Verstand für real halten.
Aus den weiblichen Bodhisattvas entstehen die Sinnesobjekte,
also alle mit den Sinnesorganen wahrnehmbaren Erscheinungen, die materielle Welt, in der wir leben und diese für real halten. Wenn wir Geburt angekommen, haben sehen wir die Buddhas und Bodhisattwas nicht mehr als diese an, innerhalb der Welt der Sinnestore sind diese unsere Gedanken, der Körper, die Sinnesorgane und das Universum. Hieraus gibt es keinen Ausweg mehr, Samsara, der Kreislauf der Wiedergeburten und das Leiden in den Daseinsbereichen hat begonnen. Wenn wir sterben, nehmen wir automatisch Wiedergeburt an, weil die karmischen Tendenzen, die unser illusionärer Geist entwickelt hat, uns durch Anhaftung und Abneigungen wieder in der materiellen Welt Geburt annehmen lassen. Dies wird im Bardotext dann naher beschrieben zusammen mit dem dort im Todesprozess entstehenden Basislicht, in welchem man dann Befreiung erlangen kann. Mit den Methoden des Dzogchen, wie sie von Longchenpa niedergeschrieben wurden, können wir uns wieder in das ursprüngliche Licht transformieren, aus dem wir und alle Welten entstanden sind. Auch wenn dies erst mal überhaupt nicht zu begreifen ist, gibt es Methoden, mit denen wir unseren Verstand überlisten können, um das Licht der ursprünglichen Bewusstheit wieder zu erkennen und um von da aus wieder vollendete Erleuchtung zu erlangen. Einmal führt der Weg über Meditation mit den Energiekanälen in unserem Herzen, in welchen wir die Lichter der verschiedenen Lichtsphären erkennen können. Dies wird später noch in einem Text mit anderen Toren zum Licht der ursprünglichen Bewusstheit beschrieben, mit einer einfachen Anleitung, wie man durch eine körperliche Übung direkt das licht der spiegelgleichen ursprünglichen Bewusstheit sehen kann. Der zweite Weg führt über unseren Verstand, indem wir durch das Lesen bestimmter Texte diesen in das Licht transferieren, aus dem er, wie vorher beschrieben, aus den Bodhisattvas entstanden ist. Nichtbuddhisten brauchen sich keine Gedanken über die Gottheiten und Bodhisattvas zu machen, wichtig ist nur zu verstehen, das der Verstand ursprünglich Licht war und es wieder werden kann. Wenn man mit dem Thema Buddhismus noch nicht so bewandert ist, braucht man sonst jahrelang, um sich alleine mit diesen Themen vertraut zu machen. Dies ist aber für die Praxis der Dzogchenübungen nicht unbedingt erforderlich. Buddhisten haben ja zum Teil das nötige Grundwissen, dieses ist aber keine Voraussetzung für die Übungen. Da die Texte aus einer völlig anderen Zeit stammen, dem Tibet des 14. Jahrhunderts, sind sie in Originalfassung nur sehr schwer zu verstehen. Da sie meiner Erfahrung nach aber in der Originalfassung am stärksten wirken, habe ich die Sätze möglichst so belassen, wie sie auf Tibetisch gedacht waren. Tibetische Grammatik kann man nur sehr schwer in Deutsche umwandeln, ohne den Satzaufbau oft komplett verändern zu müssen. Ich möchte mich nicht der Verfälschung Buddhas Texte schuldig machen. Deshalb werde ich im Textverlauf immer einen tibetischen Satz in Originalfassung, mit manchmal etwas unvollständiger deutscher Grammatik, kommentieren.
Der folgende Originaltext beschreibt erst noch mal wie aus dem Alllicht heraus die Erscheinungen und der menschliche Geist entstehen, und im Anschluss daran, wie man sich mit Meditation wieder daraus befreien kann.
S. 21- 53 Thod rgal
In diesem Kapitel sind verschiedene Meditationsarten ausgeführt, die einem direkt das Licht der ursprünglichen Bewusstheit oder der anderen Lichtssphären aufzeigen.
Die leuchtenden/ profunden Schriften von thod rgal, in die leuchtende Himmelssphäre eintreten.
Dies ist der Titel dieses Textes. Thod rgal heißt direktes, spontanes eintreten in die Sphäre des Lichtes.
Leuchtende Himmelssphäre genannt. Den glorreichen Vajrasattva verehre ich. Vajrasattva brachte die Dzogchenlehren der Legende nach auf die Erde. Deshalb ist er hier erwähnt. Dies wird später noch erörtert.
Vom ursprünglichen Beschützer (Samantabhadra) aus vollkommene Buddhaschaft. Herr des strahlenden Lichtes der ursprünglichen Bewusstheit und der fünf Familien. Zum Siegreichen über ganz Samsara und Nirvana werden. Samantabhadra verehre ich. Aus dem Zentrum des ursprünglichen strahlenden Lichtes heraus ist Samantabhadra befreit, die Lebewesen sind verwirrt worden. Samantabadhra ist der ursprüngliche Buddha, er verfing sich nicht in den illusorischen Erscheinungen und verblieb im Alllicht, anders als wir gewöhnlichen Lebewesen. Er gab die Dzogchenlehren an Vajrasattva, dieser ist zugleich der Herr des Sambogakaya, der Formkörper, in dem das weiße klare Licht der ursprünglichen Bewusstheit als weißes, klares Licht der 5 Formkörper manifestiert.
Verwirrung wechseln zur Natur der kompletten Erleuchtung. Maha, Anu und Atiyoga entsprechend erklärt. Mahayoga ist hauptsächlich die Lehre des Vajrayana und des Mantrayana, also die Lehre innerhalb der Formkörper und die der Gottheiten, die darin existieren. Dort werden auch die Mantras der Gottheiten rezitiert, weiterhin ist es die Lehre der Winde in den Nadis und in den Chakras, welche man in der Meditation beeinflussen kann. Anuyoga ist der Übergang vom Mahayoga zu Atiyoga. Es kommen darin die Gottheiten vor, welche jenseits der fünf Formkörper existieren, wie zum Beispiel Jnanadakini, die Weisheitsdakini, die ursprüngliche Bewusstheit in Form einer Dakini. Atiyoga ist der Sanskritausdruck für Dzogchen.
Die universelle Basis des ursprünglichen Beginns: Leerheit, spontanes Gewahrsein und Mitgefühl, die drei. Die Manifestation des Lichtes von Leerheit und Gewahrsein in Vereinigung in der ungehinderten Basis (Alaya, Skrt.) ist entsprechend Sonne (Leerheit) und Mond (Gewahrsein) im Himmel (Licht von Leerheit und ursprünglichem Gewahrsein in Vereinigung) als Modell. Wie vorher schon erklärt, manifestiert sich das Alllicht als die Basis, diese ist Leerheit und ursprüngliches Gewahrsein im Gleichgewicht. Diese teilt sich in Leerheit und ursprüngliches Gewahrsein auf, aus diesem entsteht dann das ursprüngliche Mitgefühl.
Aus der Ursprünglichkeit in großer spontaner Präsenz verweilen. Aus dem Alllicht heraus in der Basis verweilen.
Weil Samsara und Nirvana beide fortwährend sind, ist die Basis für die Entstehung der Dinge und das Manifestieren/ Verweilen erklärt. Samsara ist die physikalische Welt, in der wir mit unserem Verstand leben, die Welt innerhalb der Sinnestore, und Nirwana sind die reinen Erscheinungen, welche aus dem Alllicht heraus erscheinen, diese alle existieren fortwährend, deshalb ist die Erklärung für das Entstehen dieser hier gegeben.
Die Basis für die Entstehung aller Dinge, so genannt. Die Natur des Gewahrseins untrennbar vereint. Die Basis für die Entstehung aller Dinge ist das ursprüngliche Alllicht, dieses ist die Natur des Gewahrseins untrennbar vereint, also Gewahrsein und Leerheit untrennbar vereint.
In Übereinstimmung damit für verwirrte Lebewesen, was das ursprüngliche strahlende Licht im Herzen angeht: Mit in Übereinstimmung damit ist gemeint, dass die gleichen Sphären, welche vorher beschrieben wurden, in unserem Körper vorhanden sind, obwohl wir im Samsara verweilen
Verbleiben ohne Nihilismus und ein Verweilen. Im Herzzentrum von jedem Lebewesen befindet sich die natürliche Präsenz des Lichtes von Leerheit und Selbstgewahrsein vereint und von Leerheit, Gewahrsein und Mitgefühl. Der Platz von Dharmakaya, Sambogakaya und Nirmanakaya.
S. 53- 79 Khregs chod
Dieser Text ist der Methode des khregs chod, dem direkten Abschneiden der Anhaftungen des Geistes und der Anhaftung des Geistes an sich selbst und zugleich zuzuordnen. Durch die Rezitation der Dzogchentantras transformiert sich der eigene Geist direkt wieder in die Lichtsphären, aus denen er entstanden ist.
Der Text beginnt sehr anspruchsvoll, für Begabte oder Meditationserfahrene gedacht. Lonchenpa stellt in diesen Texten meist das Schwierigste voran, so dass wenn man sehr begabt ist oder das nötige Grundwissen dazu besitzt, man gleich Buddhaschaft erlangen kann. Später folgen die Anleitungen, dann vorerst die unteren Lichtsphären zu erlangen. Der Text ist zugleich Meditationsanleitung und zum Rezitieren oder Lesen gedacht. Konzipiert ist er, um ohne Meditation Erleuchtung zu erlangen, deshalb enthält er oft den Zusatz „ohne erforderliche Meditation“. Als Rezitationstext hat er die Wirkung, den Geist von den karmischen Verunreinigungen zu befreien, wie in dem Tantra beschrieben:
In den Daseinsbereichen ist der Grund für die Erfahrung des Aromas aller Arten karmischer Tendenzen der Verdunkelung das Versehen sein mit den Aspekten der Begründung, ist diese gereinigt, dann ist dies wie die Sonne frei von Wolken.
Dadurch kann man auch leichter meditieren. Man kommt der Buddhaschaft immer ein Stückchen näher, wie eine geschlossene Wolkendecke, die immer dünner wird und dann irgendwann den Blick auf die Sonne freigibt und man eine der Lichtsphären entweder innerhalb der Nadis durch Meditation erkennt oder außerhalb, indem sich die Gedanken einfach in das ursprüngliche Licht oder erst mal in nicht ausgerichtetes Mitgefühl transformieren, aus denen sie entstanden sind.
Khregs chod
Die zwei: Durch Meditation, in der Natur Leerheit oder Gewahrsein Befindliche, erhalten Habende, die drei und für Lebewesen mit höchsten Fähigkeiten, mittleren Fähigkeiten und verwirrte Wesen, die drei. Was die ersten angeht:
Alsoder erste Teil für buddhistisch Erfahrene, welche schon Leerheit oder ursprüngliches Gewahrsein erkannt haben, der zweite Teil für Laien mit unterschiedlichen Fähigkeiten.
Durch die Übertragung der Natur der Sicht Zweifel befreit. In der Sphäre der ursprünglichen Bewusstheit der spontan entstandenen Basis geklärt. Vereint oder getrennt, ohne Meditation überwunden. In der Sphäre des nackten, ungehinderten, total freien Dharmakaya, Körper der Leerheit, natürlich verweilen. In der großen spontanen Präsenz vom Mandala der vier Qualitäten von Dharmata, der Natur der Leerheit aller Dinge, kreisen.
Diese sind: Leer, weil kein Gewahrsein mit Erscheinungen vorhanden ist, stabil weil unveränderlich, strahlendes goldenes Licht und große Glückseligkeit.
Dadurch ist man aus dem fixierenden Handeln des Verstandes und aus dem Bestreben alle Dinge zu verändern befreit. Was die Lehre der Vision des selbstentstehenden Stromes angeht:
Der selbstentstehende Strom ist die Strömung, welche einen vom strahlenden Licht der Vereinigung von Leerheit und Gewahrsein durch das nicht aktiv Sein in die Sphäre des Alllichtes oder ursprüngliche Befreiung, also Buddhaschaft, geleitet.
Aus den Erklärungstantras: Durch mich gelehrt:
Also durch Longchenpa aus den Dzogchentantras
konzipiert.
In der nichtdualen großen Freude, ohne vorhanden sein von Meditation, frei von allen Grenzen verweilen.
Hier ist das Licht der Vereinigung von ursprünglichem. Gewahrsein und Leerheit gemeint. Nichtduale große Freude heißt es hier, weil in der Vereinigung von Leerheit und ursprünglichen Gewahrsein die Freude hier als große Freude noch vorhanden ist. Diese transformiert sich dann in der Vision des selbstentstehenden Stromes immer weiter zu Licht, bis sie im Licht der Buddhaschaft vollkommen transformiert ist.
Gewahrsein und Leerheit vereint in Licht spontan erkannt, dies realisiert erfolgt daraus, ob meditieren oder nicht meditieren, alle Arten von möglichem Ausdruck sind darin geklärt. In der Sphäre natürlicher nicht dualer großer Freude verweilen. Ohne Anstrengung verweilen, dadurch total jenseits von Vereinigung und Trennung. Ununterbrochen wie der Strom Ganges.
Erst im Licht der Vereinigung von Leerheit und ursprünglichen Gewahrsein verweilen. Dort ohne Anstrengung verweilen, dadurch tritt man in die Sphäre des Alllichtes der ursprünglichen Buddhaschaft ein, welche total jenseits von der Vereinigung von urspünglichem Gewahrsein und Leerheit liegt. Dort dann ununterbrochen wie der Strom Ganges darin verweilen, welcher niemals versiegt.
Dies war der Abschnitt für Praxiserfahrene, welche schon Leerheit oder ursprüngliches Gewahrsein erreicht haben.
Im Licht erscheinen die fünf Buddhafamilien. Die fünf Familien entstehen in den fünf Kayas. In den fünf Kayas entstehen ungehindert die fünf männlichen und weiblichen Hauptbuddhas. Von den männlichen und weiblichen Hauptgottheiten entstehen ungehindert die männlichen und weiblichen Bodhisattvas. Aus den fünf männlichen und weiblichen Familien heraus entstehen die fünf Sinnestore, Augen, Ohren, Geruchssinn, Geschmackssinn und Tastsinn. Aus den männlichen Bodhisattvas heraus erscheinen die Sinneskontrolle und Intelligenz, Denken und Fühlen, also der Verstand (der Betrachter). Aus den weiblichen Bodhisattvas entstehen die Erscheinungen (das zu Betrachtende).
Wie schon beschrieben, entstehen die Sinnestore, Sinnesverarbeitungsorgane, Gedanken, Gefühle und die wahrzunehmenden Dinge aus den Buddhas und Bodhisattvas heraus. Dies wird noch mal erklärt im nachfolgenden Bardotext.
S. 79- 92 Bardo
Wie sie sicher schon mal gehört haben, ist mit Bardo (tibetisch Zwischenbereich), der Zwischenbereich, der Übergang von Tod zu Wiedergeburt gemeint. Hier ist es die Anleitung, wie man in diesem Prozess direkt Erleuchtung erlangen kann.
Über die zwei Arten und Weisen, im Bardo befreit zu werden. Die spontane Eigenexistenz der Basisnatur. Das Erscheinen von Dunkelheit zur Zeit des frei Seins von Körper und Geist.
Erst erscheint Dunkelheit im Todesprozess, da die Sinnesorgane aufhören zu funktionieren und man das Licht der materiellen Welt nicht mehr wahrnehmen kann. Dann erscheint als erstes das hell leuchtende Basislicht, bevor die anderen Prozesse des Bardo ablaufen, in welchem man gleich Befreiung erlangen kann, wenn man mit diesem verschmilzt.
Wie etwas ist durch seine Natur beschaffen ist, in Übereinstimmung damit erscheint es.
Diese genannten sind alle die Essenz der Leerheit, diese ist das spontan entstandene, nicht konzeptuelle, leuchtende Basislicht.
Alle Erscheinungen sind leer und das ursprüngliche Basislicht.
Mit dem Modus des Verstandes, der ursprünglich unterscheidenden Kognition, in das zu dieser Zeit entstehende Licht verschmelzen, in diesem damit aufgehen. Das Entstehen aller Arten von Erscheinungen sind durch das Erkennen ihrer Eigennatur vollkommen befreit.
Durch das Verschmelzen mit dem ursprünglichen Basislicht erkennt man alle daraus entstehenden Dinge als die Ausstrahlung dessen, diese sind darin befreit.
Das Weitere aus dem spontan entstehenden Licht: Das Beispiel der Charakteristik der fünf Familien zusammen mit dem Erscheinen der Mandalaversammlung dieser Gruppe.
Hat man dies nicht realisiert, entstehen aus dem Licht die fünf Buddhafamilien.
S. 92- 96 Erklärungen zur Praxis
S. 97- 105 Vipassana und Samatha
S. 106- 127 Übersetzung ohne Kommentare
S. 127- 133 Wie die Dzogchenlehren nach Tibet kamen,
Kurzbiographie von Longchenpa
S. 133 -137 Anleitung zum Lesen des Textes in tibetischer Schrift mit tibetischem Alphabet
S.137- 212 Tibetische Originaltexte mit deutscher Übersetzung
stong gsal ‘char gzhi ma ‘gags pas
Leerh. leucht. Manifet. Basis nicht gehindert Ins.
Die Manifestation von Leerheit und Gewahrsein
chos sku zang thal rjen pa’i ngang la rang gnas
Dharmak. ungehindert nackt Gen. Sphäre in natür. verweilen
In der Sphäre des nackten, ungehinderten, total freien Dharmakaya,
Körper der Leerheit, natürlich
verweilen.
pas yid la byed pa’i sgom dang
Instr. Verst. Dat/L handeln Gen. denken und
rtsol spub kyi chos las ‘das te
Anstr. Umdrehen G. alle Dinge daraus befreit Fin.
Dadurch ist man aus dem handelnden Denken des Verstandes und aus
dem Bestreben alle Dinge zu verändern befreit
rang bzhin chu bo rgyun gyi dgongs par bstan pa ni
selbst entst. Strom Gen. Vision Dat/L Lehre angeht
Was die Lehre der Vision des selbstentstehenden Stromes angeht
shes rab stong gsal
Urspr. Gew. Leerheit vereint im Licht
rang rig don rtogs las
sp. erk. dies realisiert dar. heraus
Gewahrsein und Leerheit vereint in Licht spontan erkannt, dies
realisiert, erfolgt daraus heraus ob
Bei den hier unter den tibetischen Originalbuchstaben angegebenen Umschrift zur Transkription handelt es sich um Wylie. Man geht heutzutage davon aus, dass diese Umschrift der original tibetischen Aussprache bei der Einführung dieser Sprache in Tibet sehr ähnlich gewesen ist. So kann man diese Umschrift zum Lesen dieser Texte verwenden, wenn man diese auf Tibetisch selbst lesen möchte. Das heutzutage gesprochene Tibetisch hat sich im Verlauf der Jahunderte allerdings sehr stark verändert. Für die Wirkung der gesprochenen Texte als Rezitationstext ist die ursprüngliche Aussprache aber eher stärker. Weitere Ausführungen dazu finden sie im Buch selbst.

